Im Februar 1993 gab es erneut schlechte Nachrichten für John Zachary DeLorean. Er wurde in Michigan von seinem ehemaligen Anwalt Mayer Morganroth auf Anwaltskosten in Höhe von 5 Millionen Dollar verklagt. Drei Monate später stand das Urteil fest. DeLorean musste Morganroth nicht nur die geforderten 5 Millionen Dollar zahlen, auch DeLoreans Firma "Ecclesiastes" wurde zu Zahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar aufge- fordert.

Morganroth hatte erstmals 1986 für John DeLorean gearbeitet, auch wenn er vor Gericht behauptete, DeLorean hätte ihn bereits im Jahr 1982 zur Vorbereitung auf den Kokainprozess in Los Angeles engagiert (wofür er keinerlei Beweismaterial hatte; Morganroth sagte aus, er hätte alle Arbeitszeitnachweise und Aufzeichnungen zum Schutze DeLoreans vernichtet). Don Re, der John Z. DeLorean zusammen mit Howard Weitzman in dem Verfahren verteidigt hatte, erklärte jedoch, dass weder er noch Weitzman jemals mit Morganroth über den Fall gesprochen hätten. In der Tat war Morganroth erst für den DMC Bankrott-Prozess in Detroit engagiert worden - aus Mangel an Kandidaten. Das war 1986.

Morganroth hatte sich jedoch nie sehr viel Mühe beim Verteidigen seines Klienten gegeben. Tatsächlich hatte er sogar 40 von 42 Fällen verloren, wobei die zwei Fälle, die er gewann, belanglos waren. John DeLorean wurde damals natürlich skeptisch und versuchte bald mehr über seinen Strafverteidiger herauszufinden. Dabei stellte sich heraus, dass Morganroth in der Vergangenheit 900,000 Dollar gestohlen hatte, indem er die Unterschrift seines Arbeitgebers fälschte. Er war damals nur knapp einer Gefängnisstrafe entgangen. Von Tom Kimmerly, einem engen Freund und dem ehemaligen Firmenanwalt der DeLorean Motor Company, erfuhr DeLorean schließlich, dass Morganroth von der Anwaltskanzlei Honnigman, Miller And Cork Gulley bestochen worden war, um die Fälle zu verlieren (Malcomb Schade, der Anwalt der Regierung im GPD-Prozess, war ein Mitarbeiter von Honnigman, Miller And Cork Gulley).

Als DeLorean genügend Beweismaterial gesammelt hatte, um vor Gericht beweisen zu können, dass Morganroth Bestechungsgelder angenommen hatte, engagierte er Ed Friedberg als Anwalt, um in New York ein Amtsmiss- brauchsverfahren einzuleiten. Doch Friedberg verpasste den Stichtag und der Fall wurde auf Basis des Verjährungsgesetzes abgewiesen.

Offensichtlich wurde der "Betrug", als sich Mayer Morganroth offiziell mit Malcomb Schade und somit mit der Britischen Regierung, dem ehemaligen "Feind", zusammenschloss, um Jagd auf John DeLorean zu machen. Anfang 1993 wurde DeLorean schließlich, wie bereits erwähnt, auf 5 Millionen Dollar verklagt.

Wie lächerlich diese Summe war, fand John Z. DeLorean erst nach dem Urteilsspruch heraus. Morganroth hatte vor Gericht behauptet, er hätte zwischen 1979 und 1982 (bevor er DeLorean vertrat, was gelogen ist, da er, wie oben festgestellt, erst 1986 für DeLorean arbeitete) netto und Unkosten mit einberechnet knapp eineinhalb bis zwei Millionen Dollar pro Jahr verdient. DeLorean konnte jedoch später mit Hilfe der Ein- kommensaufzeichnungen, welche von der Social Security Administration beglaubigt worden waren, beweisen, dass er während dieser Zeit weniger als 30.000 Dollar pro Jahr verdient hatte! Im Jahr 1980 war er sogar mit einem 19.000 Dollar-Bankkredit in Verzug geraten, woraufhin er zu 250 Dollar-Zahlungen verurteilt wurde, mit welchen er erneut in Verzug geriet. Hätte Morganroth vor Gericht in Bezug auf sein Einkommen nicht gelogen, wäre ein solches Urteil nie zustande gekommen.

Vor dem Prozess und der Behauptung, DeLorean hätte Morganroth nicht entsprechend entlohnt, hatte der Automobilmanager seinem ehemaligen Anwalt bereits insgesamt 860,000 Dollar für dessen Arbeit überwiesen. 860.000 Dollar für zwei Jahre Arbeit! Normalerweise hätte Morganroth für eine solche Summe zwanzig Jahre arbeiten müssen! Nun jedoch würde er von John DeLorean rechtmäßig 5 Millionen Dollar erhalten. Für DeLorean, der zuvor seine Ranch in Kalifornien zur Begleichung von Anwaltskosten an Howard Weitzman übergeben und sein Fifth Avenue Appartement in New York zur Zufriedenstellung von Gläubigern verkauft hatte, bedeutete dies die Aufgabe seines letzten Anwesens. Die Lamington Farm in Bedminster, New Jersey, über die er im Jahr 1987 in einem Interview gesagt hatte: "Ich liebe die Farm. Es ist für mich unvorstellbar, nicht hier zu leben." Nun schien es vorstellbar zu werden.

Als DeLorean jedoch die Ungerechtigkeit des Urteils sah, zog er die Anwaltsfirma "Norris, McLaughlin" zu Rate (heute Norris, McLaughlin & Marcus, P.A.). Mit Hilfe der Anwälte und dem Ziel, die Farm in seinem Besitz zu erhalten, gründete DeLorean die Firma Genesis III, Inc., welcher er im Mai 1994 sämtliche Besitzrechte an der Lamington Farm überschrieb. Am 11. Juli 1994 erklärte Richterin Anna Diggs Taylor diese Transaktion jedoch für unrechtmäßig, woraufhin die Besitzübertragung im September 1994 aufgelöst wurde.

Im Februar 1995 bekräftigte eine Jury in Michigan das Urteil aus dem Jahr 1993 und forderte DeLorean und dessen Firma "Ecclesiastes" zu einer Zahlung von nun insgesamt 6,228,235 Millionen Dollar auf. DeLorean sah sich jedoch nach wie vor im Recht und wollte seine Vermögensgüter nicht kampflos aufgeben. Neben der Lamington Farm war auch das Aktienkapital der Firma "CRISTINA" in DeLoreans Besitz (DeLorean hatte diese Firma zu Zeiten der DeLorean Motor Company gegründet und nach seiner Ehefrau benannt). Damit dieses Kapital nicht Mayer Morganroth in die Hände fiel, beglich John DeLorean mit den Aktien offenstehende Schulden bei seinem Bruder Charles "Chuck" DeLorean und dessen Autohaus 'DeLorean Cadillac, Inc.' (Charles DeLorean war zu Zeiten der DMC offizieller Händler der Firma seines Bruders gewesen, wofür er 25,000 Dollar investiert und im Gegenzug Aktien erhalten hatte). Zudem beschaffte sich DeLorean eine notarielle Urkunde, wodurch die Lamington Farm erneut der Firma 'Genesis' überschrieben wurde.

Mayer Morganroth ging daraufhin wiederum vor Gericht und setzte durch, dass John DeLorean erst dann weitere Schulden begleichen durfte, wenn er Morganroth die 6,2 Millionen Dollar überwiesen hatte. Im Juni 1995 tauchte schließlich ein Mietvertrag auf Lebenszeit auf, demzufolge die Kinder von John DeLorean, Zachary und Kathryn, Anspruch auf die Farm hatten. DeLorean zufolge war der Mietvertrag im September 1987 nach Vorschlag von Morganroth und Kimmerly aufgesetzt worden. Als es nun jedoch vor Gericht um die Echtheit des Mietvertrages ging, leugnete Morganroth seinem ehemaligen Klienten jemals zu einem solchen Vertrag geraten zu haben. Doch obwohl DeLorean eine Kopie des Mietvertrages vorliegen hatte, welche ihm Morganroths Sekretärin im Jahr 1990 hatte zukommen lassen, schenkte man seinen Worten vor Gericht keinen Glauben.

Im Januar 1996 kam es durch den United States District Court von New Jersey zu einem Vollstreckungsbefehl, demzufolge DeLorean die Lamington Farm und die übrig gebliebenen CRISTINA-Aktien zur Befriedigung seiner Gläubiger verkaufen musste. DeLorean verfrachtete daraufhin, auf Rat seiner Anwälte, viele Möbel und andere Vermögensgüter aus der Villa der Lamington Farm in einer Lagerhalle, die im Besitz des 'DeLorean Cadillac, Inc.' Autohauses stand. Dies jedoch verstieß gegen das Urteil, weshalb DeLoreans Anwälte erneut scharf kritisiert wurden. Damit die Lamington Farm den Besitzer wechseln konnte, musste zuerst die erneute Genesis-Transaktion für ungültig erklärt werden; dies geschah am 3. Oktober 1996.

DeLorean kämpfte weitere drei Jahre um seinen Besitz, doch er hatte nunmehr keinerlei Anspruch auf sein gigantisches Anwesen in Bedminster. Um weiteren Klagen zu entgehen (DeLorean hatte nach wie vor um die 40 Prozesse am Hals) gab das einstige Wunderkind von Detroit angesichts der aussichtslosen finanziellen Lage den Kampf auf. Auch sein letzter Versuch, sein Anwesen zu einem exklusiven Golfkurs mit Helikopter-Landeplatz umzufunktionieren, für deren Mitgliedschaft man 90,000 Dollar hätte zahlen müssen, scheiterte. Im September 1999 beantragte DeLorean Bankrott-Schutz.

Bei der Versteigerung der Lamington Farm im Jahr 2000 stellte sich Donald Trump als Käufer heraus. Trump erwarb das Anwesen, das DeLorean im Jahr 1981 knapp 3,5 Millionen Dollar gekostet hatte, für 15,25 Millionen Dollar. Kurze Zeit später griff Trump DeLoreans Idee auf und kündigte an, dass die Farm zu einem weiteren 'Trump National Golf Club' umgebaut werde. Das Paradies für (reiche) Golfer öffnete im Jahr 2004 seine Pforten (» Internetpräsenz).
11,5 der 15,25 Millionen Dollar gingen an die Merrill Lynch Credit Corporation, die Hypothekrechte auf die Lamington Farm vorweisen konnte. Von den restlichen Millionen wurden Mayer Morganroth und weitere Gläubiger DeLoreans entschädigt.

John Zachary DeLorean bewohnte weiterhin sein Anwesen, bis im März 2000 die ersten Möbelwagen anrückten. Einem Artikel der 'Detroit Free Press' zufolge äußerte DeLorean noch an dem Tag, an dem die Räumung seiner Villa begann, die Hoffnung vor Gericht beweisen zu können, dass seine Kinder Anspruch auf das Anwesen hätten. Vergeblich. Im Alter von 75 Jahren musste sich der Gründer der DeLorean Motor Company eine neue Bleibe suchen.

Zurück