Playboy, Mai 1981 - 20 Questions: John DeLorean




1.) Sie bringen ein Auto mit Ihrem eigenen Namen auf den Markt. Ist das nicht der Traum eines jeden wahren Auto-Liebhabers?

Ich träumte seit Jahren von der Möglichkeit, mein eigenes Auto bauen zu können. Ich habe über dieses Projekt zehn oder zwölf Jahre nachgedacht. Als ich bei General Motors arbeitete - zuerst als Ingenieur und später als Manager - sammelte ich viele Ideen, die ich in einem Auto umsetzen wollte. Aber natürlich war mir dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht gegeben. Daher ist dieses Auto für mich eine Erfüllung.

2.) Ist in dieser energiebewussten Welt Platz für ein neues Traumauto?

Aus Spaß fahren werden die Menschen immer. Trotz der Erhöhungen des Ölpreises und all den anderen Geschehnissen in der Automobilindustrie hat der Absatz von BMW oder Mercedes keine Einbrüche erlitten, da deren Autos an Leute verkauft werden, die das Fahren lieben. BMW baut sogar neue Fabriken, während andere Firmen die ihrigen schließen müssen.

3.) Vor ein paar Jahren arbeiteten Sie noch in der Führungsetage von General Motors. Fiel es Ihnen nicht schwer, den Konzern für ein solches Risikounternehmen zu verlassen?

Natürlich fiel es mir schwer. Die zahlen einem soviel Geld, dass man gar nicht weiß, wohin damit. Aber es war für mich nicht wirklich befriedigend. Ich sah wie der Präsident von GM die von ihm gewünschten Dinge nicht durchsetzen konnte und wie er unter Druck das Handtuch warf. Also entschied ich, dass ich seinen Job nicht wollte. Ich hatte in meinem Beruf nur noch wenige Jahre und wollte nicht auf dieselbe Art und Weise enden. Außerdem wollte ich dieses Projekt starten.

4.) Was hielt Ihre Frau, das Supermodel Cristina Ferrare, von Ihrem Abschied von GM?

Wir unterhielten uns und ich erzählte ihr von meinen Absichten. Ich sagte, dass ich dieses Projekt beginnen wolle und dass mein Einkommen wahrscheinlich gen "Null" sinken würde. Sie meinte schließlich zu mir, wenn ich es tun müsse, solle ich es tun. Und für eine Weile verdiente sie das Geld innerhalb der Familie.

5.) Lebten Sie in dieser Zeit praktisch von der Hand in den Mund?

Nein, das wäre wohl ein wenig übertrieben. Cristina verdiente damals zwischen 300.000 und 350.000 Dollar pro Jahr.

6.) Versuchte General Motors Ihr Projekt zu zerstören?

Große Unternehmen sind meistens Feinde. Ich betrieb ein wenig Marktforschung, indem ich einige Händler fragte, ob sie mein Sportwagen-Projekt unterstützen würden. Als GM davon erfuhr, strich mir der Konzern meine noch ausstehenden Boni, nahm mir also in etwa 600.000 Dollar. Ich hielt das für ungerecht. Niemand hatte härter für den Konzern gearbeitet als ich. Einige der Rekorde, die ich in meiner Zeit bei Pontiac und Chevrolet aufgestellt habe, sind bis heute nicht gebrochen worden.

7.) Wieviel eines Autos kann ein Mensch entwerfen? Gibt es einen kleinen John DeLorean im Kotflügel oder im Getriebe?

Ja, eine Menge ist von mir. Aber natürlich hat man bei einer so komplexen Angelegenheit wie einem Auto Menschen, die einem helfen. Wenn wir allerdings zurückblicken, ist fast jedes großartige Automobil auf einen Individualisten zurückzuführen. So zum Beispiel bei Bugatti oder Ferrari.
Außerdem muss man berücksichtigen, dass für die meisten Konstruktionsprobleme bereits optimale Lösungen gefunden wurden. Man muss heutzutage nicht immer bei Null anfangen. Die Scheibenbremse ist auf der Welt beispielsweise Standard. Verbaut jemand eine andere Art von Bremse, dann nur, um die Kosten zu senken. Heute ist eine Automobilkonstruktion meistens eine Art Integration von Komponenten in eine abgestimmte Maschine.

8.) Aber spezialisieren Sie sich nicht auf einen bestimmten Teil der Konstruktion?

Meine Hintergründe liegen im Antriebsstrang, dem Getriebe und der Fahrgestellkonstruktion. Auch das Handling liegt mir sehr am Herzen. Ich habe versucht, den DeLorean so zu konstruieren, dass er herausragende Fahrer anspricht, aber gewöhnliche Fahrer nicht einschüchtert.

9.) Wurden Sie schon einmal von einem Auto eingeschüchtert?

Ich habe meinen Porsche Turbo verkauft. Er war zuviel für meine Fahrkünste. Meiner Meinung nach ist der Porsche eines der sensationellsten Autos der Welt. Aber ich glaube, dass ich ein etwas besserer Fahrer sein müsste, um einen Porsche handhaben zu können. Das ist aber in Ordnung.
Ich liebe einfach das Fahren. Ich liebe es, mir die Straße vorzuknöpfen, wenn ich über etwas nachdenken muss. Ich steige in meinen 6,9l Mercedes und fahre ungefähr 400 Meilen. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Man hat seine gänzlich kontrollierte Umgebung. Man hört die Musik, die man gern hat und fährt durch die Landschaft, die man am Liebsten hat. Wenn ich von einer solchen Fahrt heimkehre, ist mein Kopf wieder frei und klar.

10.) Sex hat in Amerikas Romanze mit dem Automobil sicherlich eine Rolle gespielt. Wie war das in Ihrem Fall?

Naja, als ich jung war, checkte man nicht einfach in ein Hotel oder Motel ein. Ich hatte jedoch nicht mehr als 11.000 oder 12.000 Mal Sex in einem Auto. In einem DeLorean wäre das allerdings extrem schwierig. Man müsste ein richtiger Akrobat sein.

11.) Verfolgt der Geist Edsels den Start jeder neuen Automobilfirma?

Der Edsel musste scheitern. Erstens war er so hässlich, das war beinahe ein Witz. Darüber hinaus wies er eine Anzahl an neuartigen mechanischen Hilfsmitteln auf, die schlicht nicht funktionierten. Der Schaltmechanismus des Automatikgetriebes war beispielsweise spektakulär in seinem Unvermögen zu funktionieren. Auch das Momentum hat natürlich eine große Rolle gespielt. Es ging damals alles so schnell, dass niemand wirklich etwas unternehmen konnte.

12.) Kann das Momentum auch eine positive Wirkung entfalten?

Der Käfer von Volkswagen war eine Sensation. Es war ein Kultauto, das nahezu eine halbe Million Mal pro Jahr in den Vereinigten Staaten verkauft wurde. Ich aber bin der Meinung, dass der Käfer in vielerlei Hinsicht eines der größten Ramschstücke aller Zeiten war. Das Handling war erbärmlich, die Performance zweitklassig und die Bremsen existierten kaum. Darüber hinaus konnte einen das Schlag- und Geräuschlevel innerhalb des Wagens krank machen. Auf der anderen Seite wurde er von richtigen Facharbeitern gebaut. Sie produzierten trotz einer zweitklassigen Konstruktion ein echtes Qualitätsprodukt.

13.) Amerika scheint mit der Romantik des Automobils im Zwist zu liegen. Wo liegt Ihrer Meinung nach das Problem?

Die Romantik ist nicht das Problem. Vielmehr ist das Objekt der Romantik derzeit einfach weniger attraktiv. Über viele Jahre hinweg hatten die amerikanischen Automobilkonzerne keinerlei Konkurrenz. Sie kümmerten sich nur um sich selbst, jedoch nicht um die Öffentlichkeit. Es galt immer nur: "GM bringt ein neues Auto auf den Markt, wir sollten ein ähnliches produzieren."
Ich denke, die Tragödie der Automobilindustrie liegt darin, dass sich alle Konzerne am selben Ort befinden. Es wäre besser gewesen, wenn sich GM beispielsweise in Detroit, Ford in Los Angeles und Chrysler in Houston niedergelassen hätte.
Aber die Romantik wird wieder aufblühen. In den letzten Jahren haben die Japaner Autos gebaut, welche die amerikanische Öffentlichkeit mehr ansprachen. Das haben die amerikanischen Konzerne nun endlich erkannt. Und natürlich sind die Amerikaner in der Lage, alles in jedweder Qualität zu bauen.
Ich denke, wir werden in der Automobilindustrie ein kreatives Zeitalter erleben. Insbesondere in Bezug auf die Treibstoffleistung wird sich einiges verändern. Ich sage voraus, dass sich diese in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird.

14.) Wird unsere Beziehung zum Automobil keine permanenten Veränderungen erleben?

Die lange Ferienfahrt wird wahrscheinlich aussterben. Der Grund dafür ist das beschränkte Tempolimit. Meiner Meinung nach sind 55 mph in etwa fünf Meilen pro Stunde zu wenig. Die Treibstoffleistung wird immer besser, nun sollte die Regierung auch das Tempolimit wieder anheben, wenn auch nur auf Bundesstraßen.

15.) Was ist das Besondere am DeLorean?

Zunächst einmal besteht er im Wesentlichen aus Komponenten, die den hohen Status automobiler Kunst wiederspiegeln. Der PRV-Motor (Peugeot, Renault, Volvo) mit seinen zwei obenliegenden Nockenwellen ist das leichteste und stärkste Triebwerk der Welt. Er besitzt eine äußerst elegante Maschinerie, ein schönes Design und er ist sehr zuverlässig. Über die Jahre hinweg wurde er in Volvos, Peugeots und Renaults verbaut. Darüber hinaus wurde das Auto für ein möglichst geringes Gewicht einzigartig konstruiert. Wir verwenden u.a. dieselben leichten Plastikmaterialien, die auch beim Bau von Kampfflugzeugen eingesetzt werden. Ferner haben wir das Auto korrosionsbeständig gebaut. In den USA landen viele Autos nicht auf Grund ihrer Abnutzung auf dem Schrottplatz, sondern weil sie von Rost zerfressen werden. Daher bestehen all unsere Karosserieteile aus Edelstahl. Wir werden dem Auto eine Garantie über 25 Jahre geben.
Die Reifen, die wir verwenden, sind für amerikanische Standards zu groß und zu teuer. Fährt man mit ihnen jedoch auf gewöhnliche Weise, können sie über 100.000 Meilen überstehen. Wir konzentrieren uns allerdings nicht nur auf ihre Beständigkeit, sondern konzipierten sie auch für maximale Kurvensteifigkeit. Das Auto wird besser "kleben" als jedes andere zuvor.
Diese Kombination verschiedener Charakteristika wird dem Automobil einen sehr hohen Wiederverkaufswert verschaffen und den Käufer zufriedenstellen.

16.) Was ist mit dem "Montag-Morgen-Syndrom"? Sollten wir einen DeLorean kaufen, der am Tag nach dem Wochenende hergestellt wurde?

Dieser Ruf ist zurecht weit verbreitet. Wenn Leute am Wochenende zu viel Spaß hatten, haben sie oftmals Probleme, am Montag zur Arbeit zu erscheinen. Doch es gibt Wege, um dies zu verhindern.
So weit die Montagebänder auch verlaufen: Niemand weiß mehr über den Job als der Arbeiter und in Amerika haben wir ihn noch nicht gleichgestellt - die Japaner dagegen schon. Sobald wir dieses Problem gelöst haben, wird es keine Montag-Morgen Probleme mehr geben.
Unsere gesamte Montagelinie ist unterschiedlich konstruiert. In den meisten Automobilfabriken werden die Fahrgestellkomponenten zum Beispiel von unten montiert - von einer Grube aus. Und ich sage Ihnen, dass die gebückte Haltung bei dieser Arbeit eine absolute Schande ist. Ich habe einen Sommer lang während einer College-Pause in einer solchen Grube gearbeitet. Wenn ich am Ende des Tages herauskam, benötigte ich zwei Stunden, um aufzustehen.
Wir haben also keinerlei Gruben in unserer Fabrik. Der DeLorean ist so konzipiert, dass sämtliche Arbeiten oberhalb des Fußbodens erledigt werden können, wodurch der Komfort der Arbeiter gesichert ist. Wir erlauben unseren Arbeitskräften, sich zu entfalten, indem wir sie so arbeiten lassen, wie sie es für am Logischsten halten. Wir versuchen also, unseren Arbeitern soviel Freiraum wie möglich zu geben.
Natürlich baut es am Ende des Tages irgendjemand zusammen, doch wir versuchen, die Arbeit so zu gestalten, dass sie nicht nur angenehm ist, sondern auch einen gewissen Stolz mit sich bringt.

17.) Wie sieht Ihre Erfolgsvorhersage aus?

Es ist ein Experiment. Ich denke nicht, dass die Dinge weiterhin so gut gehen werden wie bisher. Die meisten Menschen haben uns keinerlei Chancen eingeräumt. Sie sind alle verblüfft, wenn sie sehen, wie weit wir es geschafft haben. Wir haben ein Händlernetzwerk und die - für ihre Größe - modernste Autofabrik der Welt errichtet. Und wir haben ein Produkt, das all unsere Ansprüche erfüllt. Sollten wir Erfolg haben, so hoffe ich, dass dieser anderen als Ansporn dient, dasselbe zu machen. Wenn wir in einer Branche wie der Autoindustrie zurechtkommen, dann können auch andere Manager und kleinere Firmen diejenigen Lügen strafen, die immer behaupten, es sei unmöglich in einem solch fundamentalen Gewerbe zu überleben. Ich glaube, das ist der Schlüssel zur industriellen Wiedergeburt Amerikas. Wir müssen die Eigendynamik zurückerlangen. Kleinere Firmen sind hierzu in der Lage - im Gegensatz zu den gigantischen und trägen Organisationen, die nur selten auf die echten Gegebenheiten des Marktes reagieren können.

18.) Wie sehen die Zukunftspläne der DeLorean Motor Company aus?

Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft eine Sedan-Version unseres Autos auf den Markt bringen. Ich bin der Meinung, dass wir unsere Linie erweitern müssen. Aus diesem Grund ziehen wir verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Ich glaube zum Beispiel, dass der Nahverkehr in diesem Land im Falle steigender Ölpreise wichtiger wird. Daher machen wir uns Gedanken über den Bau eines Busses.
Mein Langzeittraum ist die Produktion des nächsten Modell T - falls es eine derartige Sache geben wird. Ich kann mir zwar noch kein exaktes Bild davon machen, allerdings habe ich bereits ein paar Ideen. Ich würde auf dieser Welt wirklich gerne für eine fundamental neue Art des Transports sorgen. Es müsste etwas einzigartiges sein, völlig anders als all die Autos, die heute auf der Welt gebaut werden.

19.) Von welcher Art Person würden Sie einen Gebrauchtwagen kaufen?

Ich kaufe keine Gebrauchtwagen. Wer jedoch einen kauft, sollte versuchen, einen Verkäufer zu finden, der einen aufrichtigen Respekt vor der Maschinerie hat. Derartige Menschen nämlich kümmern sich oftmals so hervorragend um ihre Autos, dass sie sogar besser als neu sein könnten.

20.) Waren Sie einmal im Besitz eines "Montagsautos"?

Ja, ich besaß einige. Ich verkaufe sie für gewöhnlich oder gebe sie weiter. Ich erwarb den ersten Jaguar XJ-12, der nach Detroit kam. Heute sind die Autos der Marke wesentlich zuverlässiger, damals allerdings waren sie unglaublich schlecht. Ich fuhr mit dem Auto fünf Mal aus und kam nie damit zurück. Beim letzten Mal brachte mich ein Taxi nach Hause. Ich kontaktierte den Händler und erklärte ihm, wo das Auto stand, damit er es abholen und mir eine Gutschrift geben konnte.

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